Das Institut für Werkstoffkunde freut sich über die Bewilligung der zweiten Förderperiode des Sonderforschungsbereichs/Transregio 298 „Sicherheitsintegrierte und infektionsreaktive Implantate“ (SIIRI). In diesem Verbundprojekt von Medizinischer Hochschule Hannover und Leibniz Universität Hannover untersucht das IW zusammen mit seinen Partnern in drei wissenschaftlichen Teilprojekten aktuelle Fragestellungen zu Hüft-, Cochlea- und Zahnimplantaten.
In allen Projekten des Verbunds „SIIRI“ besteht das übergeordnete Ziel in der Entwicklung neuer Ansätze zur Erhöhung der Sicherheit bzw. Lebensdauer von Implantaten. So werden etwa für Cochlea-Implantate sensorische Goldelektroden entwickelt, mit deren Hilfe Implantatversagen frühzeitig bei Routineuntersuchungen detektiert werden kann. Mit diesen Informationen kann der behandelnde HNO-Arzt dann rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, um dem Ausfall des Implantats vorzubeugen. Des Weiteren werden am IW neuartige Dentalimplantate entwickelt, die über ein Medikamentenreservoir und eine integrierbare Pumpe verfügen, um im Fall einer Infektion antibakterielle Substanzen freisetzen zu können. Dies ermöglicht perspektivisch die wirksame Bekämpfung der sog. Periimplantitis, die in schweren Fällen zu Knochenabbau und Implantatverlust führen kann.
Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der schonenden Entfernung von Hüftendoprothesen. Im Fall einer Revisions-OP droht gerade bei zementierten Schäften ein erheblicher Knochenverlust. Das Ziel ist es daher, den Knochenzement durch lokale Erwärmung gezielt zu erweichen, um die Prothese sicher entfernen und ein neues Revisionsimplantat einsetzen zu können.
In den genannten Projekten untersuchen die Forschenden des IW insbesondere die materialwissenschaftlichen Aspekte im Spannungsfeld von Elektrochemie und Korrosion, Prozesstechnologie zur Implantatherstellung sowie der Modellierung von thermischen Einflüssen auf Prothesen und umliegendes Gewebe. Zahlreiche Kooperationen mit den interdisziplinären Arbeitsgruppen des Verbunds werden die Arbeit der beteiligten Forschenden in den kommenden Jahren bereichern und ermöglichen langfristig eine Übertragbarkeit der Ergebnisse in die klinische Anwendung.